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Zur Güte

Güte läßt sich ganz schlicht definieren als „freundliche, wohlwollende und nachsichtige Einstellung“. Können wir das in unserem Leben brauchen – uns selbst gegenüber und anderen gegenüber? Lassen wir uns doch von folgendem Gedicht, entnommen dem Mindful Self-Compassion Lehrerhandbuch, S. 113, inspirieren, darüber nachzudenken…

Güte von Naomi Shihab Nye

Bevor Du weißt, was Güte wirklich ist, mußt Du Dinge verlieren, mußt fühlen, dass Zukunft sich in einem Moment auflöst, wie Salz in einer verdünnten Brühe. Was Du in Deiner Hand gehalten hast, was Du gezählt und sorgsam gespart hast, all das muss gehen, damit Du weißt, wie einsam die Landschaft sein kann zwischen den Bereichen der Güte. Wie Du fährst und fährst und denkst, der Bus wird niemals anhalten, und die Passagiere, die Mais und Hühnchen essen, werden für immer aus dem Fenster starren.

Bevor Du die zärtliche Schwerkraft der Güte kennenlernst, musst Du gereist sein, dorthin, wo der Indianer im weißen Poncho tot am Strassengraben liegt. Du musst sehen, dass Du das hättst sein können, dass auch er jemand gewesen ist, der voller Pläne durch die Nacht gereist ist und mit dem einfachen Atem, der ihn am Leben erhielt.

Bevor Du die Güte als das Tiefste im Inneren kennst, musst Du den Kummer als das andere Tiefste kennen. Du musst aufwachen mit Kummer. Du musst mit ihm sprechen, bis Deine Stimme den Faden allen Kummers aufnimmt und Du die Größe des ganzen Stoffes erkennst.

 

 

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