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Liebe Und Partnerschaft – Anmerkungen

Liebe und Partnerschaft – Anmerkungen

Nach C.G. Jung ist unsere Liebesbeziehung durch vier Stufen gekennzeichnet: Verliebtsein, Projektionen zurücknehmen, Nähe-Distanz Regulation und die sog. Bedingungslose Liebe. Das Verliebtsein meint das Bezaubertsein durch den Anderen. Projektionen zurücknehmen meint das Zu-Sich-Nehmen der eigenen Sicht und der eigenen Wünsche und Bedürfnisse, die wir auf den Anderen legen. Nähe-Distanz Regulation meint das Austarieren von Einander-Nah Sein und Abstand-Voneinander. Die sog. Bedingungslose Liebe meint den Anderen so zu nehmen, wie er eben ist. Die Stufen sind dabei nicht aufeinander aufbauend, sondern laufen auch gleichzeitig. Im Laufe der Paarbeziehung tauchen diese Stufen immer wieder auf und sie sind immer wieder neu zu justieren.

Als Paar begegnen wir uns auf der sog. tieferen Ebene des Verbundenseins in unserer Liebe und auf der sog. banalen Ebene der Handhabung des Alltags. Natürlich ist es leichter aus dieser Verbundenheit heraus, den Alltag zu bewältigen und sich stets auf etwas Drittes auszurichten sowie den liebenden Blick bei konträren Standpunkten zu halten und eine Lösung zu finden. Daher ist es sinnvoll, diese sog. tiefere Ebene gut zu pflegen – auch, damit uns die Liebe nicht abhanden kommt „wie anderen Leuten ein Stock oder Hut“, um mit Erich Kästner zu sprechen.

Alltag zu meistern ist immer eine Herausforderung. Sich gegenseitig zu achten, zu respektieren, einander wertzuschätzen, sich zu vertrauen, loyal zu sein ist zumeist das A und O einer gesunden Beziehung. Toleranz und Humor sind gute Zutaten, um Stolpersteine, Widrigkeiten aus kreativer Sicht gemeinsam zu lösen. Weisheit und Dankbarkeit als Tugenden schaden auch nicht – nichts ist selbstverständlich und alles ist vergänglich. Dass der Partner uns liebt und an unserer Seite ist, ist nicht selbstverständlich; dass wir ihn lieben und an seiner Seite sind, ist auch nicht selbstverständlich. Beides ist ein Grund zur Freude. Positives vom Anderen zu hören, erfreut überdies jeden und unseren Partner bes. – da ist´s schade, zu knausern, lieber hier freigiebig sein, das erwärmt das Wir.

Und es ist gut, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und formulieren zu können, Nein sagen zu können und dieses nicht abgrenzend-rigide, sondern aus dem Herzen heraus. Konflikte gilt es fair, d.h. konstruktiv auszutragen. Und wir tun gut daran, uns um unseren Selbstwert selbst zu kümmern; in unseren Händen und nicht in denen des Partners ist er am besten aufgehoben.

Gut zu wissen ist die sog. 5 zu 1 Regel von John Gottman; diese besagt, dass ein jeder in der Partnerschaft eine negative Erfahrung durch den Anderen erst verdaut hat, wenn er durch den Anderen fünf positive Erfahrungen erhalten hat. Mit einem „Es tut mir leid“ ist es nach diesem  Forschungsbefund, wie wir alle sicher bestätigen dürfen, nicht getan. Angesagt ist also auf ein  „Es tut mir aufrichtig leid, dass ich dir weh getan habe“, weiteres, und dieses unmechanistisch selbstverständlich,  folgen zu lassen – etwa eine liebevolle Geste, ein kleines Geschenk…

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