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Kurz Vorgestellt: Tanja Seehofer: „Restorativer Yoga“

Kurz vorgestellt: Tanja Seehofer: „Restorativer Yoga“

Tanja Seehofer, ursprünglich tätig gewesen im Casting, 1995 sich dann auf den Yogapfad begebend, ist heute Ausbilderin in der 200 Stunden Yogalehrer Ausbildung (Yoga Alliance Standard) im Fachbereich „Restorativer Yoga“ bei SPANDA und leitet europaweit ihr eigenes Yin Yoga Ausbildungsprogramm. Sie unterrichtet ihre Workshops, Retreats und Ausbildungen weltweit. Kennzeichnend für ihre Lehre und ihren Unterricht sind ihre Authentizität sowie ihre Hingabe an die Sache; dabei gibt sie liebevoll und einfühlsam ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. – Vor kurzer Zeit ergab sich folgendes Gespräch:

Können Sie beschreiben, was sich hinter dem Begriff „Restorativer Yoga“ verbirgt und was die besonderen Qualitäten dieser Form des Yoga sind?

Tanja Seehofer: “Restorativer Yoga“ als Überbegriff für die verschiedenen restaurativen Yogastile verstanden ist ein eher  langsamer, leiser und meditativer Weg, der die Selbstheilung anregt. Durch das bewusste Loslassen der Muskelkraft in der Stille können wir uns dem Nicht-Tun öffnen. Die Praxis kann zu ruhiger Klarheit im Geist und zu einem umfassenden Verständnis für das eigene Wesen sowie zu tiefem Selbstmitgefühl führen. Die sog. restorativen Yogahaltungen beruhen auf einfachen Asanas, die ohne Kraftaufwand und ohne Muskelanspannung ausgeführt werden. Die jeweiligen Positionen werden, meist auf dem Boden liegend, für einen längeren Zeitraum gehalten. Dies kann ab 3 Minuten und bis zu 10 Minuten sein (Yin Yoga) und manchmal sogar bis zu 20 Minuten (Restorative Yoga). Die Zeitdauer hängt vom Fokus des Yogalehrers und der beabsichtigten Wirkung, bzw. des beabsichtigen Nutzens der restorativen Yogastunde ab. Unterstützend werden meist Hilfsmittel eingesetzt, um den Bedingungen und Bedürfnissen des Körpers gerecht zu werden. In dieser so gestalteten sanften Übungspraxis wird der Schwerpunkt in der Regel auf das Entspannen und so auf ein sich langsames Hineindehnen, sich Hineinatmen und sich Hineinspüren in die jeweilige Position gelegt. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, wirklich genügend Zeit zu finden, um in ihr anzukommen.

In einer klassischen Restorative Yoga Stunde, die auf das allgemeine Wohlbefinden abzielt, wird der Körper mit sehr sehr vielen Hilfsmitteln unterstützt, um den Entspannungseffekt zusätzlich zu erhöhen. Es werden keine Dehnungen absichtsvoll gesetzt, sondern es geht vielmehr darum, die eigene Schwerkraft zu nutzen und sich quasi an den Boden abzugeben. Die Muskulatur, die Organe und der Geist können sich hier vollkommen erholen. Tiefgreifende Entspannung und regenerierende Qualität können hier erfahren werden. Der Praktizierende bleibt in seiner Komfortzone und kann sich so komplett fallenlassen – ein Nicht-Tun auf allen Ebenen. Oft werden unterstützend Augenbinden benutzt, um ein noch tieferes Loslassen  zu fördern. In der Regel sind diese Klassen die entspanntesten aller restorativen Yogastile. Nachdem die Zeitdauer, während der man in einer  Asana verweilt, für die Wirkung sehr bedeutsam ist, kann hier eine Position bis zu 20 Minuten gehalten werden. Der Körper kann so vollkommen loslassen, der Geist kommt über die längere Zeit in einen Alpha-Wellen-Zustand, was uns sehr zentriert. Dies ist optimal bei sehr gestressten Teilnehmern, die einen ruhigen Ausgleich suchen und den Wunsch haben, einfach wieder aufzutanken.

Dem Yin Yoga gehört meine persönliche Leidenschaft innerhalb der restorativen Yogastile. Im Yin Yoga werden die Yogapositionen zwischen 3 bis 10 Minuten gehalten. Der Fokus liegt nicht direkt auf Heilung und der kompletten Entspannung in einer Yogaposition, sondern auf dem Erspüren und Erfühlen, einem sich seines Selbst bewusster werden. Yin Yoga energetisiert und entspannt gleichermaßen, ohne Leistung erbringen zu müssen oder Anerkennung von außen erlangen zu wollen.

Stressreduktion ist nicht das Ziel von Yin Yoga, wobei es durchaus stressreduzierend und auch regenerierend auf das Nervensystem wirkt. Eine Unterstützung von Hilfsmitteln wird hier nur bedingt  eingesetzt, eben um eine optimale Dehnung zu erreichen. Im Yin Yoga liegt die Achtsamkeit auf den Empfindungen des Körpers in einer tiefen und optimalen Dehnung des Gewebes, die inneren Organe werden durch das lange Verweilen in einer Haltung massiert und der Abbau von toxischen Gewebeablagerungen wird gefördert.  Der herausfordernde Yin Yoga Stil gibt die Möglichkeit, die eigene Grenze zu erforschen, ohne in einen ungesunden Stress oder gar in eine schädliche  Überdehnung zu gelangen. Die Erkundung und das Erfühlen der eigenen Bedürfnisse stehen im Yin Yoga im Vordergrund. Die Praxis ermöglicht es, tief in die Schichten des Körpers einzutauchen, Gleichmut zu erlangen und sich selbst zu beobachten, ohne zu werten. In dieser Praxis können Blockaden aufgelöst werden und Bindegewebe, Faszien, Knochen und Gelenke geschmeidig zu halten. Wir lernen Körperregionen neu zu vitalisieren, die sonst selten angesprochen werden. Auf der feinstofflichen Ebene stimuliert Yin Yoga unser Chakra- und Meridiansystem, was das Chi – unsere Lebensenergie – in Fluss bringt. Wichtig in dieser Praxis ist keinen übertriebenen Ehrgeiz beim Üben zu entwickeln.

Mit Yann Kuhlmann habe ich 2017 das Projekt DJAYA gegründet; dies ist ebenso ein sehr restorativer Stil: Wir verbinden Yin Yoga mit 432 Hz live Sound Healing. – Neben dem Restorative Yoga und dem Yin Yoga gehören u.a. Yoga Nidra, Gentle Yoga, Luna Yoga, Deep Slow Stretch zu den restorativen Yogastilen.

Was liegt Ihnen bei Ihrem Unterricht und bei Ihrer Lehre besonders am Herzen zu vermitteln?

Tanja Seehofer: Unterrichten ist für mich „beruflicher Luxus“, da ich meine Berufung leben darf. Jeder ist einzigartig und ganz, auf seine Art und Weise und das möchte ich den Teilnehmern gerne spüren lassen. –  Yin Yoga betrachte ich als eine Bewusstseinsreise. In den Yogahaltungen richten wir unser Bewusstsein auf die Empfindungen im Körper und trainieren dabei die Rolle des Beobachters. Wir sind Zuschauer mit dem Wissen: Es entsteht, es vergeht. Mit unserer Aufmerksamkeit sind wir ganz im Hier und Jetzt. Wir trainieren unsere Geduld, das Annehmen dessen, was ist. Was fühlen und empfinden wir? Was macht dies mit uns, was löst es aus? In der Yin Yoga Haltung wird alles, was ist zum Gegenstand unserer Meditation. Wir akzeptieren ohne Verlangen oder Abneigung. Wir ertasten unsere Grenzen, und achten Hier und Jetzt auf uns. Diese Sichtweise hilft uns auch im Alltag, mit unangenehmen Gefühlen und Empfindungen anders umzugehen als bisher und letzt-endlich Selbsterkenntnis zu erlangen. Wir entwickeln Fokus, Konzentration, innere Ruhe und Gelassenheit sowie das Bewusstsein, Dinge so anzunehmen wie sie kommen und zu spüren, was das mit uns macht. Unsere Reaktionen im Alltag sind klarer, wir agieren in Weisheit und reagieren nicht mehr mit unserem (alten) „Ego“ Verhalten. Meine Lehre ist: Es geschieht nach deinem Geist, du bist der Schöpfer deines Lebens. Je mehr ich mich mit mir verbinde in der Ruhe, Stille und Meditation, desto mehr werde ich mir meiner Selbst bewusst.  Je mehr ich  mir meiner Selbst bewusst bin, desto erfolgreicher kann ich meine inneren Programme, Glaubenssätze, Blockaden verändern. Je mehr ich dies verändere, verändert sich mein Leben: Vom Opfer zum Schöpfer. SO HAM –  ICH BIN DER ICH BIN.

Wo sehen Sie Möglichkeiten und Grenzen von etwa Stream-, Zoom- und Online-Lösungen für Unterricht und Lehre?

Tanja Seehofer: Anfangs hatte ich mich innerlich noch etwas geweigert meine Yin Yoga Teacher Trainings Online anzubieten. Jedoch bin ich ins kalte Wasser gesprungen, bin mit der neuen Corona-Zeit gegangen und habe mein komplettes Ausbildungsprogramm Online umgesetzt. – Nun bin ich und auch bisher meine gesamten Teilnehmer über diese Möglichkeit sehr begeistert. Ein „persönlicher“ Kontakt und eine innige Gruppendynamik kann auch so funktionieren. Es gibt durchaus einige große Vorteile, die Stimmen meiner Teilnehmer berichten: Flexiblere Zeiten die Online Videos  Zuhause zu praktizieren, Risikogruppen und Mütter mit Kindern haben die Möglichkeit mitzumachen, es fallen keine teuren Reise- und Hotelkosten an, meine Online Praxisvideos zum Teacher Training stehen eine Woche lang zur Verfügung, somit kann jeder diese noch üben oder wichtige Informationen daraus ziehen. Für mich ist es noch von großem Vorteil, dass ich viele Menschen erreichen kann – sogar weltweit. Natürlich gibt es auch Grenzen: Leider kann ich über Zoom oder Online Videos keine HandsOn anbieten, jedoch ist dies gerade in Corona Zeiten sowieso nicht erlaubt. Es fehlt der Körperkontakt, was ich sehr bedaure, da ich besonders auch durch meine Ausbildung in Human Energetik beim Unterrichten und Lehren die Teilnehmer gerne mit meinen Händen berühre.- Ich werde in Zukunft auf jeden Fall beides anbieten, Live und Online Teacher Trainings.

Was ist Ihre Vision für die Erde?

Tanja Seehofer: Unsere Gesellschaft ist eine „Robotergesellschaft“ geworden, wir haben uns teilweise zu emotionslosen Wesen entwickelt. Ich wünsche mir wieder mehr Gleichgewicht. Nicht nur für uns Menschen, auch für die Tiere, die Natur und unsere gesamte Mutter Erde. Wir sollten uns unseren alten Ängsten, die meist aus aus der Vergangenheit sind, stellen sowie unser Festhalten und unseren Drang zur Kontrolle endlich loslassen und unsere bisherigen Lebens- und Denkweisen unterbrechen. – Ich wünsche mir, dass wir mutig  sind und unsere bisherigen Energiefelder  transformieren in Vertrauen, Urvertrauen, Menschlichkeit, Miteinander, Fürsorge, Achtsamkeit, Selbstfürsorge, Dankbarkeit, Freude, Verständnis, um einen globalen Heilprozess in Gang zu setzen. – Das Geheimnis des Gleichgewichts ist LIEBE!

Was ist Ihr Schlusswort?

Tanja Seehofer: Ich bin einfach nur dankbar für mein Leben. Alles was ich bisher erfahren durfte, auch die nicht so schönen Dinge, waren wichtig um dies zu erreichen: Glückseligkeit, Zufriedenheit, Gleichmut, Selbstbetimmtheit, Selbstbewusstsein, Selbsterkenntnis.

Liebe Frau Seehofer,  vielen Dank für unser Gespräch.

 

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