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Kurz Vorgestellt: Helga Baumgartner, Yin Yoga Lehrerin

Kurz vorgestellt: Helga Baumgartner, Yin Yoga Lehrerin

Helga Baumgartner, ursprünglich gelernte Architektin und Städtebauerin, zählt zu den wenigen Lehrerinnen, die bei Paul Grilley in Kalifornien ihre Yin Yoga Ausbildung abgeschlossen hat. Paul Grilley ist quasi der „Urvater“ des Yin Yoga; er entwickelte es als ein Form des Yoga, die durch länger gehaltene Asanas bei dabei entspannter Muskulatur länger gehalten so auf das Bindegewebe und die Meridiane wirkt.  – Seit 2014 bildet Helga Baumgartner selbst Yin Yoga LehrerInnen aus. Sie ist auf Yoga-Konferenzen als Dozentin gefragt. Und sie hat einen Lehrauftrag an der Universität Regensburg für Yoga und Achtsamkeit. Sie ist Autorin des Buches „Yin Yoga“ (BLV 2015). Die philosophische Basis für ihren Unterricht liegt im Advaita Vedanta Studium mit Swamini Pramananda, Ammaji. Die Praxis und die Lehre von Yin Yoga – das sind ihre Schwerpunkte, dem gilt ihre Hingabe. Es ergab sich, Helga Baumgartner folgende Fragen zu stellen:

Wie kamen Sie zum Yin Yoga?

Helga Baumgartner: Meine Asanapraxis begann vor über 20 Jahren mit einem klassisch sehr langsamen Hatha Yoga, welches mich dann zu Vinyasa, Ashtanga Mysore & Jivamukti geführt hat. Im dynamischen Hatha/Vinyasa habe ich 2006 meine erste Lehrerausbildung abgeschlossen und dann erst einmal exakt diesen Stil unterrichtet. Damals habe ich in Barcelona gewohnt, Vollzeit als Architektin gearbeitet und abends zusätzlich Hatha/Vinyasa unterrichtet. Meine eigene Praxis war Ashtanga Yoga Mysore Stil. Dieser Lebensstil war auf die Zeit jedoch nicht besonders nachhaltig für Körper, Geist, Seele, weil jeder Aspekt meines Tages sehr fordernd war. Das heißt, mein Tag war immer sehr im Yang – also dynamisch, schnell, aktiv, optimierend, feurig, extroviertiert, laut. Ich hatte sehr viel geistige Aktivität und sehr viel physische Aktivität und bemerkte, daß ich mich mit der Zeit immer erschöpfter und nicht mehr zentriert fühlte. So entstand dann mehr und mehr Sehnsucht nach den ruhigen Aspekten in der spirituellen Praxis. Diese Sehnsucht hat sich dann erfüllt mit Beginn einer täglichen Meditationspraxis  – und zwar nach einigen Vipassana Retreats – und in der Yin Yoga Praxis, was ich beides seit 2008 praktiziere. Im Yin Yoga fühlte ich wie noch nie zuvor die Symbiose aus Asana und Meditation in einem Yogastil, und das Praktizieren machte mich einfach im Innersten glücklich! – Später, in 2011, kam dann noch das Vedanta Studium mit meiner indischen Lehrerin Ammaji dazu und ich hatte das Gefühl, jetzt ist mein Yogaweg rund und ausgewogen.

Was ist für Sie das ganz Besondere von Yin Yoga?

Helga Baumgartner: Yin Yoga betont zuerst einmal sehr die Ruhe und Stille. Die Bewegungen sind langsam, der neuronale Input ist gering, es wird kein Leistungsdruck aufgebaut.

Alles darf sein – nicht muss sein. Es geht nicht um die Meisterschaft in einer Haltung, sondern um das innere Loslassen, die Fähigkeit mit dem gegenwärtigen Moment zu bleiben mit allem, was die Praxis und der Moment aufzeigen.

Es geht also nicht um Selbst-Perfektion, sondern vielmehr um Selbst-Akzeptanz. Im Yin Yoga nach Paul Grilley übt man besonders nach funktionalen Aspekten, die Ästhetik der Haltung ist dabei absolut zweitrangig. Das heißt, ich muß als Schüler nicht ein perfektes Bild einer Haltungen imitieren, sondern ich habe viel individuelle Freiheit, die Yoga Haltung meinem eigenen Potential anzupassen. Dies erlaubt einerseits ein sehr achtsames und außerdem ein sehr selbstwertschätzendes Üben. Ehrlich und bewußt nimmt man die eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen wahr und kann so viel mitfühlende Akzeptanz praktizieren. Das Wegfallen von Leistungsdruck sowie das Ok „so zu sein, so wie man ist“ erschafft eine Verschnaufpause für das Nervensystem, das endlich einmal in den Ruhemodus gehen darf. Man tankt Energie, und erfährt die Entspannung, die dann entsteht, wenn alles so sein darf wie es ist. Auf spiritueller Ebene weist uns das den Weg zu innerer Freiheit – die man im Yoga Moksha nennt.

Was liegt Ihnen bei Ihrem Unterricht für Ihre Schüler, für Ihre Studenten, also auf der Matte und als Lehrbeauftragte, besonders am Herzen?

Helga Baumgartner: Unser heutiges Leben ist oft schnell und sehr, sehr beschäftigt. Kaum ein Moment tagsüber vergeht ohne neuen Input und die Zeit, all diese Inputs zu verdauen, ist schlicht nicht gegeben. Laufend hetzen wir auch dem scheinbaren Erfolg hinterher, der im Besitztum, in der Leistung und der Selbstdarstellung liegt. Die Teilnehmer kommen daher im Yoga Unterricht oft sehr erschöpft, gehetzt und am Limit angekommen an.

Ich erinnere mich noch gut wie ich früher aus dem Studium oder dem Architekturstudio selber erschöpft und gehetzt in der Yogastunde angekommen bin. Und wie dankbar ich für die Ruhe war – und für die Verbindung mit mir selbst, die ich wieder herstellen konnte. Die mentale und emotionale Wirkungsweise von Yoga waren für mich damals gefühlt oft „überlebens-rettend“. – Diesen Raum möchte ich für die Teilnehmer meiner Klassen auch eröffnen. Im Alltag erfüllen wir Höchstleistungen in all den verschiedenen Rollen, und werden ständig zwischen scheinbarem Erfolg und augenscheinlichem Misserfolg nach oben und unten gewirbelt. In meinen Stunden hoffe ich, daß sich jeder zurückbesinnen kann, daß wir in unserer innersten Essenz immer ganz, heil und lichtvoll sind. Das alles ok ist so wie es ist. Daß wir das Kämpfen aufhören dürfen. Und sich eine innere Weichheit kultivieren darf, welche die Voraussetzung für wahre Stärke im Leben ist.

Was ist Ihre Vision für die Menschheit?

Helga Baumgartner: Ich wünsche mir, daß wir aufhören zu kämpfen. Zuerst einmal mit uns selbst, dann mit anderen und schließlich als Nationen untereinander. Oftmals im Leben kämpfen wir mit uns selbst, genauso wie mit den Dingen, die uns das Leben präsentiert. Wir kämpfen mit der Vergangenheit, der Gegenwart und sogar der Zukunft, die noch gar nicht da ist, und so bauen wir Spannung überall im Körper und im Geist auf. Yin Yoga kann uns dabei helfen zu lernen, Spannungen loszulassen und auf allen Ebenen wieder weich und offen zu werden. Wenn wir die Spannungen aus dem Körper lösen, lösen wir auch die Spannungen aus unserem Geist und unserem Herzen, so daß wir wieder in die Verbindung mit uns Selbst, der inneren Leichtigkeit, dem Frieden und dem magischen Geschenk des Lebens kommen. Im größeren Feld gedacht bin ich überzeugt davon: Wenn wir uns selbst heilen, wird auch die Welt um uns herum wieder in die Harmonie und das Gleichgewicht finden. Je mehr Praktizierende es gibt, die diesen Prozess im Inneren vollziehen, umso größer das entstehende Momentum.

Was ist Ihr Traum von Glück für die Erde?

Helga Baumgartner: Meine Vision ist eine Welt voller Frieden, voller Respekt und voller Wertschätzung und Mitgefühl. Meine Vision ist, daß wir keine Lebewesen mehr quälen, ausnutzen oder essen. Daß wir die Natur um uns herum nicht mehr ausbeuten, so daß global auf allen Ebenen wieder ein Ambiente von Respekt, Unterstützung, Freundlichkeit und Frieden entsteht.

Was ist Ihr Schlusswort?

Helga Baumgartner: May ALL beings be happy, be free from suffering and at peace. Und möge ich mit meinem Leben und Schaffen dazu einen Beitrag leisten. Und mögen wir als Yoga-Community dazu einen Beitrag leisten. Das ist meine Hoffnung und Intention –  Om Tat Sat.

Liebe Frau Baumgartner, ich danke Ihnen für unser Gespräch.

(Zum Foto s.o.: Axel Hebenstreit)

 

 

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